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„Nature(s), Nature“

Nature(s),nature

Ab dem 17. März geht es im Stadtverband Straßburg und im Ortenaukreis im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Nature(s), Nature“ einen Monat lang um die Themen Artenvielfalt und nachhaltige Entwicklung.

Eine fest verankerte Umwelt-Kultur

Mit der Wiedereröffnung der Tram im Jahr 1994 inmitten des Stadtgebiets, mit einer ästhetischen, modernen, praktischen und umweltfreundlichen Tram, hat sich Straßburg den Ruf eines Pioniers in diesem Bereich erworben. Bis zum heutigen Tag sammelt die Stadt Rekorde: mit 53 km kommerziell genutzter Schienenstrecke, den fünf bestehenden Linien (eine sechste ist für das Jahr 2010 vorgesehen) und den 66 Haltestellen, ist das Netz das längste in Frankreich und das einzige, das mit anderen Verkehrsmitteln vernetzt ist.


Tram Der Niederflurboden der wagen erleichtert den Einstieg für Personen mit eingeschränkter Mobilität oder mit Kinderwagen, während die Fahrgäste dank der großen Fensterfronten auf Höhe der Straße unterwegs sind. Mehr als 300.000 Fahrgäste nutzen die Tram täglich. Im Laufe der letzten 15 Jahre ist die Tram der Eckpfeiler einer groß angelegten Politik des öffentlichen Nahverkehrs geworden, die Alternativen zum Auto fördert und welche die Fahrgäste ermuntert, verschiedene „saubere“ Verkehrsmittel zu nutzen: Tram-Fahrrad, Tram- Fußweg, Tram-Bus, Tram-Zug, Tram-Carsharing. Als Symbol der Öko-Mobilität ist die Tram auch ein hervorragender sozialer Vektor und die Garantie für einige Viertel in der Nähe des Rheins, nicht länger in einer Art Enklave zu leben. In einigen Jahren wird die Tram auch in wenigen Minuten nach Kehl in Deutschland fahren.

Die Stadt arbeitet seit lange daran, die Umweltverschmutzung zu verringern, den Straßenverkehr zu entlasten und Energieeinsparungen umzusetzen, indem umweltschonende Verkehrsmittel gefördert werden. Diese Anstrengungen, die angesichts der Nähe zu Deutschland normal erscheinen, drängten sich in den 70er Jahren auf, als die ersten Radwege gebaut wurden, deren Gesamtstrecke heute fast 500 km erreicht. In diesem Bereich hält die Stadt Straßburg einen weiteren Rekord: sie ist die größte Fahrrad- Stadt Frankreichs. Nicht weniger als 130.000 Fahrradfahrer sind hier regelmäßig unterwegs. Für sie wurden 50 „Veloparks“ und mehr als 6.000 sichere Fahrradständer gebaut, damit sie hier ihre Fahrräder sicher abstellen zu können. Zahlreiche andere innovative Projekte werden z. Zt. in dieser Pilot-Stadt ausgearbeitet oder bereits entwickelt:

> Das Carsharing, das es bereits dank des Vereins „Auto’trement“ gibt, wurde damals mit Förderung des Oberbürgermeisters Roland Ries geschaffen. Dabei geht es darum, die Kosten und Nutzungsdauer eines Fahrzeugs gemeinsam zu tragen, indem es allen zur Verfügung steht

> Ein eigene Verkehrsordnung zum Schutz der Fußgänger

> „Treffpunkt-Zonen“, die allen Fahrgästen zur Verfügung stehen, aber wo der Fußgänger prioritär bleibt

> Der Tram-Zug: Ein neues Schienenfahrzeugs, das gleichermaßen auf Eisenbahn- und Tram-Schienen fahren kann, ermöglicht die Verbindung des Hauptbahnhofs von Straßburg mit dem Vorgebirge der Vogesen im Westen der Stadt

> Das Modul Cristal, ein Elektro-Auto der neuesten Generation, das von dem elsässischen Unternehmen Lohr Industrie entwickelt wurde, wird für die Fahrt durch die Innenstadt gemietet werden können.


Die Stadt ist seit Juni 2007 auch nur noch 2h20 von Paris entfernt, wenn man den TGV Ost-Europa nimmt, der in wenigen Jahren auch nach Deutschland fahren und später nach Budapest. Eine Verbindung mit dem TGV Rhein-Rhône soll auch erhalten werden, wodurch Straßburg zu einer großen Drehscheibe des europäischen Schienenverkehrs wird.

Für die Stadtverwaltung beschränkt sich allerdings die Umweltfrage nicht nur auf die Förderung des öffentlichen Nahverkehrs oder sauberer Verkehrsmittel: sie engagiert sich z. Zt. in der Umsetzung eines „Klimaplans“, der sich allgemein auf die Verwaltung einer nachhaltigen Entwicklung auf Ebene eines ganzen städtischen Großraums bezieht. Dabei geht es auch darum, die energietechnische Bedeutung im Wohnbereich besser zu berücksichtigen und darin dem Club der Spitzenstädte beizutreten. Um diesen Plan umzusetzen und neue Praktiken einzuführen, wurden zahlreiche Initiativen für einen besseren Schutz der Umwelt beschlossen:

> Die Stadt selbst will dabei das Beispiel geben: sie plant bis 2015, die eigenen Treibhausgas- Emissionen um die Hälfte zu senken. Mit dieser Perspektive werden seit einem Jahr alle öffentlichen Bauvorhaben mit dem Leistungsziel „BBC“ (Niederenergiebauweise) gebaut, im Vorgriff auf eine neue Klimavorschrift, die 2010 in ganz Frankreich in Kraft tritt. Die größten Verursacher von Treibhausgas-Emissionen in den gesamten Anlagen und Ausrüstungen der Stadt und der Stadtgemeinschaft sind mittlerweile identifiziert; ein Experiment zur energietechnischen Betreuung wird heute in einigen Schulen durchgeführt, zeitgleich mit einer Sensibilisierungs-Kampagne für die Schüler; die Dienste der Stadt haben ihren Fahrzeugpark erweitert, der mit Erdgas fährt

> Öko-Viertel ersätzen die alten Industrieflächen. Diese neuen Viertel sind umweltschonend, sparsam im Verbrauch von Platz und Ressourcen, verwenden nachhaltige Materialien, sind mit dem öffentlichen Nahverkehr zugänglich und garantieren einen sozialen Mix der Bewohner. Vier Projekte dieser Art sind heute in der Vorbetriebs-Phase. Straßburg hat sich zum Ziel gesetzt, eine Referenz in diesem Bereich zu werden: Anfang 2010 organisiert sie ein Kolloquium auf europäischer Ebene zum Thema der „Mobilität in den Öko-Vierteln und in einer nachhaltigen Stadt“

> Mehrere Tausend neue Wohnungen werden nach den hohen Kriterien der Energiebilanz gebaut. Allgemein gesagt wird im Großraum Straßburg eine breit angelegte Politik der städtischen Renovierung geführt. So werden besonders Hilfen für die Verbesserung privaten Wohnraums angeboten, wenn durch gezielte Maßnahmen der Energieverbrauch optimiert wird

> Der Ansatz „Zéro-phyto“ (Pflanzenschutz) stellt den Startpunkt für eine vollständige und definitive Abschaffung von Produkten dar, die Pflanzen schädigen. Ziel ist es, den grössten Grundwasservorrat Europas zu schützen. Um die Biovielfalt zu schonen, wurde die Verwendung von Pflanzen schädigenden Produkten durch die Dienste der Stadt in der Pflege der öffentlichen Anlagen, Parks und Gärten, an den Straßen, Friedhöfen, Schulhöfen und Sportanlagen seit einem Jahr um den Faktor 6 gesenkt. Flächen, die bisher mit Steinen angelegt waren, wurden begrünt, um Treibhauseffekte zu mindern. Ein groß angelegtes Projekt der Neuanlage der Schulhöfe, das von den Gebietskörperschaften unterstützt wird, sieht die Anlage von Naturzonen, das Pflanzen von Obstbäumen, pädagogischen Gärten und Wasserbrunnen vor, sowie eine allgemeine Erziehung für die nachhaltige Entwicklung

> Redynamisierung der Lebensräume in den Rheinauen auf der Insel Rohrschollen

> Die Kreisläufe des Lebensmittelvertriebs werden verkürzt. Mit ihrer langen landwirtschaftlichen Tradition bereitet die Stadt gerade eine Landwirtschaftspolitik im Umland vor, die strikt auf eine biologische Produktion abzielt. In der ersten Phase geht es darum, das Angebot in den 38 Schulkantinen der Stadt zu erneuern und eine ausgewogene und vielfältigere Ernährung anzubieten, deren Herstellung im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung erfolgt ist. So wird beispielsweise die Kohlenstoffbilanz der angebotenen Mahlzeiten berechnet. Später könnte ein breiter angelegter Vertrieb für die Einwohner der Stadt auf der Grundlage von dezentralisierten Kooperativen angeboten werden

> Die 6 500 Schrebergärten des Ballungsraums Straßburg werden beibehalten. Auf einer Fläche von 170 Hektar wurden diese Gärten 1914 während des I. Weltkriegs angelegt, zu einem Zeitpunkt, als die Stadt harte Versorgungsengpässe für Lebensmittel erfuhr. Diese Gärten, die nicht nur die Landschaft verschönern, laden auch die Einwohner ein, selbst an den Verschönerungen mitzuwirken. Straßburg liegt an der Spitze der französischen Städte, die in der Lage sind, solche Bereiche anzulegen und zu pflegen.