Eine fest verankerte Umwelt-Kultur
Mit der Wiedereröffnung der Tram im Jahr 1994 inmitten des Stadtgebiets, mit einer ästhetischen, modernen, praktischen und umweltfreundlichen Tram, hat sich Straßburg den Ruf eines Pioniers in diesem Bereich erworben. Bis zum heutigen Tag sammelt die Stadt Rekorde: mit 53 km kommerziell genutzter Schienenstrecke, den fünf bestehenden Linien (eine sechste ist für das Jahr 2010 vorgesehen) und den 66 Haltestellen, ist das Netz das längste in Frankreich und das einzige, das mit anderen Verkehrsmitteln vernetzt ist.
Der
Niederflurboden der wagen erleichtert den
Einstieg für Personen mit eingeschränkter
Mobilität oder mit Kinderwagen, während die
Fahrgäste dank der großen Fensterfronten
auf Höhe der Straße unterwegs sind. Mehr als
300.000 Fahrgäste nutzen die Tram täglich.
Im Laufe der letzten 15 Jahre ist die Tram
der Eckpfeiler einer groß angelegten Politik
des öffentlichen Nahverkehrs geworden, die
Alternativen zum Auto fördert und welche die
Fahrgäste ermuntert, verschiedene „saubere“
Verkehrsmittel zu nutzen: Tram-Fahrrad, Tram-
Fußweg, Tram-Bus, Tram-Zug, Tram-Carsharing.
Als Symbol der Öko-Mobilität ist die Tram auch
ein hervorragender sozialer Vektor und die
Garantie für einige Viertel in der Nähe des
Rheins, nicht länger in einer Art Enklave zu
leben. In einigen Jahren wird die Tram auch in
wenigen Minuten nach Kehl in Deutschland
fahren.
Die Stadt arbeitet seit lange daran, die
Umweltverschmutzung zu verringern,
den Straßenverkehr zu entlasten und
Energieeinsparungen umzusetzen, indem
umweltschonende Verkehrsmittel gefördert
werden. Diese Anstrengungen, die angesichts
der Nähe zu Deutschland normal erscheinen,
drängten sich in den 70er Jahren auf, als
die ersten Radwege gebaut wurden, deren
Gesamtstrecke heute fast 500 km erreicht. In
diesem Bereich hält die Stadt Straßburg einen
weiteren Rekord: sie ist die größte Fahrrad-
Stadt Frankreichs. Nicht weniger als 130.000
Fahrradfahrer sind hier regelmäßig unterwegs.
Für sie wurden 50 „Veloparks“ und mehr als
6.000 sichere Fahrradständer gebaut, damit sie
hier ihre Fahrräder sicher abstellen zu können.
Zahlreiche andere innovative Projekte werden
z. Zt. in dieser Pilot-Stadt ausgearbeitet oder
bereits entwickelt:
> Das Carsharing, das es bereits dank des
Vereins „Auto’trement“ gibt, wurde damals
mit Förderung des Oberbürgermeisters
Roland Ries geschaffen. Dabei geht es
darum, die Kosten und Nutzungsdauer eines
Fahrzeugs gemeinsam zu tragen, indem es
allen zur Verfügung steht
> Ein eigene Verkehrsordnung zum Schutz
der Fußgänger
> „Treffpunkt-Zonen“, die allen Fahrgästen
zur Verfügung stehen, aber wo der
Fußgänger prioritär bleibt
> Der Tram-Zug: Ein neues
Schienenfahrzeugs, das gleichermaßen
auf Eisenbahn- und Tram-Schienen fahren
kann, ermöglicht die Verbindung des
Hauptbahnhofs von Straßburg mit dem
Vorgebirge der Vogesen im Westen der Stadt
> Das Modul Cristal, ein Elektro-Auto
der neuesten Generation, das von dem
elsässischen Unternehmen Lohr Industrie
entwickelt wurde, wird für die Fahrt durch
die Innenstadt gemietet werden können.
Die Stadt ist seit Juni 2007 auch nur noch 2h20
von Paris entfernt, wenn man den TGV Ost-Europa
nimmt, der in wenigen Jahren auch nach Deutschland
fahren und später nach Budapest. Eine Verbindung
mit dem TGV Rhein-Rhône soll auch erhalten werden,
wodurch Straßburg zu einer großen Drehscheibe des
europäischen Schienenverkehrs wird.
Für die Stadtverwaltung beschränkt sich allerdings
die Umweltfrage nicht nur auf die Förderung
des öffentlichen Nahverkehrs oder sauberer
Verkehrsmittel: sie engagiert sich z. Zt. in der
Umsetzung eines „Klimaplans“, der sich allgemein auf
die Verwaltung einer nachhaltigen Entwicklung auf
Ebene eines ganzen städtischen Großraums bezieht.
Dabei geht es auch darum, die energietechnische
Bedeutung im Wohnbereich besser zu berücksichtigen
und darin dem Club der Spitzenstädte beizutreten.
Um diesen Plan umzusetzen und neue Praktiken
einzuführen, wurden zahlreiche Initiativen für einen
besseren Schutz der Umwelt beschlossen:
> Die Stadt selbst will dabei das Beispiel geben:
sie plant bis 2015, die eigenen Treibhausgas-
Emissionen um die Hälfte zu senken. Mit
dieser Perspektive werden seit einem Jahr alle
öffentlichen Bauvorhaben mit dem Leistungsziel
„BBC“ (Niederenergiebauweise) gebaut, im Vorgriff
auf eine neue Klimavorschrift, die 2010 in ganz
Frankreich in Kraft tritt. Die größten Verursacher
von Treibhausgas-Emissionen in den gesamten
Anlagen und Ausrüstungen der Stadt und der
Stadtgemeinschaft sind mittlerweile identifiziert;
ein Experiment zur energietechnischen Betreuung
wird heute in einigen Schulen durchgeführt,
zeitgleich mit einer Sensibilisierungs-Kampagne
für die Schüler; die Dienste der Stadt haben ihren
Fahrzeugpark erweitert, der mit Erdgas fährt
> Öko-Viertel ersätzen die alten
Industrieflächen. Diese neuen Viertel sind
umweltschonend, sparsam im Verbrauch von
Platz und Ressourcen, verwenden nachhaltige
Materialien, sind mit dem öffentlichen Nahverkehr
zugänglich und garantieren einen sozialen Mix
der Bewohner. Vier Projekte dieser Art sind heute
in der Vorbetriebs-Phase. Straßburg hat sich zum
Ziel gesetzt, eine Referenz in diesem Bereich zu
werden: Anfang 2010 organisiert sie ein Kolloquium
auf europäischer Ebene zum Thema der „Mobilität
in den Öko-Vierteln und in einer nachhaltigen Stadt“
> Mehrere Tausend neue Wohnungen werden
nach den hohen Kriterien der Energiebilanz
gebaut. Allgemein gesagt wird im Großraum
Straßburg eine breit angelegte Politik der
städtischen Renovierung geführt. So werden
besonders Hilfen für die Verbesserung privaten
Wohnraums angeboten, wenn durch gezielte
Maßnahmen der Energieverbrauch optimiert wird
> Der Ansatz „Zéro-phyto“ (Pflanzenschutz) stellt den Startpunkt für eine vollständige und
definitive Abschaffung von Produkten dar, die
Pflanzen schädigen. Ziel ist es, den grössten
Grundwasservorrat Europas zu schützen. Um
die Biovielfalt zu schonen, wurde die Verwendung
von Pflanzen schädigenden Produkten durch die
Dienste der Stadt in der Pflege der öffentlichen
Anlagen, Parks und Gärten, an den Straßen,
Friedhöfen, Schulhöfen und Sportanlagen seit
einem Jahr um den Faktor 6 gesenkt. Flächen,
die bisher mit Steinen angelegt waren, wurden
begrünt, um Treibhauseffekte zu mindern. Ein groß
angelegtes Projekt der Neuanlage der Schulhöfe,
das von den Gebietskörperschaften unterstützt
wird, sieht die Anlage von Naturzonen, das
Pflanzen von Obstbäumen, pädagogischen Gärten
und Wasserbrunnen vor, sowie eine allgemeine
Erziehung für die nachhaltige Entwicklung
> Redynamisierung der Lebensräume in den Rheinauen auf der Insel Rohrschollen
> Die Kreisläufe des Lebensmittelvertriebs
werden verkürzt. Mit ihrer langen
landwirtschaftlichen Tradition bereitet die Stadt
gerade eine Landwirtschaftspolitik im Umland
vor, die strikt auf eine biologische Produktion
abzielt. In der ersten Phase geht es darum, das
Angebot in den 38 Schulkantinen der Stadt zu
erneuern und eine ausgewogene und vielfältigere
Ernährung anzubieten, deren Herstellung im
Sinne einer nachhaltigen Entwicklung erfolgt ist.
So wird beispielsweise die Kohlenstoffbilanz der
angebotenen Mahlzeiten berechnet. Später könnte
ein breiter angelegter Vertrieb für die Einwohner
der Stadt auf der Grundlage von dezentralisierten
Kooperativen angeboten werden
> Die 6 500 Schrebergärten des Ballungsraums
Straßburg werden beibehalten. Auf einer
Fläche von 170 Hektar wurden diese Gärten 1914
während des I. Weltkriegs angelegt, zu einem
Zeitpunkt, als die Stadt harte Versorgungsengpässe
für Lebensmittel erfuhr. Diese Gärten, die nicht
nur die Landschaft verschönern, laden auch die
Einwohner ein, selbst an den Verschönerungen
mitzuwirken. Straßburg liegt an der Spitze der
französischen Städte, die in der Lage sind, solche
Bereiche anzulegen und zu pflegen.












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