Die europäische Hauptstadt für Demokratie und Menschenrechte
Als 1949 der Europarat gegründet wurde, der heute 47 Mitgliedsstaaten umfasst, stellte sich die Frage nach dem besten Sitz für diese Organisation, deren Aufgabe es ist, die europäische Einheit, die Demokratie, die Menschenrechte und den politischen Pluralismus zu fördern. Die Wahl fiel auf Straßburg und der damalige Außenminister Englands, Ernest Bevin, begründete diese Wahl so: „Wir haben ein Zentrum gesucht, dass allen europäischen Nationen zusagt und dass ein Symbol für die Einheit Europas werden kann. Die Wahl Straßburgs erschien mir logisch. Diese große Stadt war Zeuge der menschlichen Dummheit, die versuchte, die Dinge durch den Krieg, die Grausamkeit und die Zerstörung zu regeln“.
Insgesamt ist Straßburg Sitz von mehr als 20
europäischen Institutionen oder Organisationen
der internationalen Zusammenarbeit, die sich
alle im Viertel Wacken (im Nord-Osten der
Stadt) befinden, wo auch der NAT O-Gipfel
stattfindet. Ähnlich wie Genf oder New York
gibt es in Straßburg, obwohl die Stadt nicht
Hauptstadt ihres Landes ist, eine starke
diplomatische Präsenz (46 Botschaften, mehr
als 30 Konsulate).
In Straßburg haben folgende Organisationen ihren Sitz:
> Der Europarat und seine parlamentarische
Versammlung, zusammen mit zahlreichen am
Europarat angeschlossenen Instanzen:
• Der Europäische Gerichtshof für
Menschenrechte, Garant der humanistischen
Werte, der vor gerade einmal 50 Jahren
gegründet wurde
• Der Kongress der Gemeinden und Regionen
Europas, der 1994 gegründet wurde und zum
Ziel hat, die lokale Autonomie zu fördern
• Das Europäische Zentrum der Jugend, 1972
ins Leben gerufen, um junge Menschen über
den gesamteuropäischen Ansatz des Rats zu
informieren und hierfür auszubilden
• Die Europäische Direktion für die Qualität von
Medikamenten, die 1964 eingerichtet wurde, um
die Qualität von Medikamenten sicherzustellen
und um Normen auszuarbeiten, die von den
Mitgliedsstaaten anzuwenden sind
• Das Europäische Observatorium für die
audiovisuelle Landschaft, das seit 1992
Informationen über die audiovisuelle Industrie in
Europa veröffentlicht

> Das Europäische Parlament, dessen
Abgeordnete seit 1979 in einer allgemeinen
und direkten Wahl gewählt werden. Seine
Macht der Mitentscheidung wurde im Laufe der
verschiedenen Verträge immer mehr erweitert
(Umwelt, Transport, regionale Entwicklung,
Budget, Bestätigung der Europäischen
Kommissare etc.).
Zwei weitere Instanzen sind ebenfalls an die Europ äische Gemeinschaft angeschlosen:
> Der Europäische Ombudsmann, der seit
1995 Meinungsverschiedenheiten zwischen den
Bürgern und den Institutionen der Europäischen
Gemeinschaft schlichtet
> Das Informationssystem Schengen (SIS)
der polizeilichen Zusammenarbeit, das von
27 Ländern angenommen wurde, darunter
Norwegen, Island und die Schweiz, die nicht
Mitglieder der Europäischen Gemeinschaft sind:
SIS stellt seit 2001 eine gemeinsame Datenbank
zur Verfügung, die jedem Mitgliedsstaat
ermöglicht, Informationen über Personen oder
Objekte einzutragen
> Das Eurocorps oder Europäisches Corps, das
1992 auf Grundlage einer deutsch-französischen
Initiative ins Leben gerufen wurde. Belgien,
Luxemburg und Spanien kamen später zum
Sitz des Stabs hinzu, der sich in Straßburg
niedergelassen hatte. Polen folgte vor kurzer
Zeit. Am 26. Februar trat der fünf Jahre zuvor
unterzeichnete Vertrag in Kraft, der dem
europäischen Armee-Corps einen juristischen
Status verleiht und eine operationelle Autonomie
gewährt
> Die Europäische Wissenschaftsstiftung umfasst seit 1977 mehr als 77 europäische
Organisationen aus 30 europäischen Ländern und
hat als wichtigste Aufgaben, die wissenschaftliche
Forschung in Europa zu fördern, gemeinsam
mit der Europäischen Kommission in Brüssel
die europäische Zusammenarbeit auf diesem
Gebiet zu verbessern und dazu beizutragen, dass
Ressourcen gemeinsam genutzt werden können.
Sie koordiniert Projekte, organisiert Konferenzen
und Workshops, vernetzt Kompetenzen oder
bietet Prospektivanalysen an
> Die zentrale Kommission für die
Rheinschifffahrt: diese wurde bereits 1815
vom Wiener Kongress ins Leben gerufen und ist
damit das älteste grenzüberschreitende Organ
Europas. Sie sorgt für die Einhaltung der freien
Schifffahrt auf diesem Fluss, der die wichtigste
Fluss-Arterie Europas mit einem globalen
Transportaufkommen von 300 Millionen Tonnen
pro Jahr (drei Mal mehr als auf der Donau)
ist. Da der Rhein sechs verschiedene Länder
durchquert oder berührt, besteht die Aufgabe
der Kommission auch darin, die Sicherheit
der Navigation sicherzustellen und für ein
vereinheitlichtes rheinisches Flussrecht zu
sorgen
> Die Versammlung der Regionen Europas: diese Organisation wurde 1985 gegründet und
stellt das größte unabhängige Netzwerk der
europäischen Regionen dar. Nicht weniger als
270 europäische Regionen sind in ihr vertreten,
die sich in 33 Ländern befinden. Ihre Aufgaben
bestehen hauptsächlich darin, das Subsidiaritäts-
Prinzip und die regionale Demokratie zu fördern,
den politischen Einfluss der Regionen gegenüber
den europäischen Institutionen zu fördern und
die interregionale Zusammenarbeit in Europa und
darüber hinaus zu erleichtern
> Der Club von Straßburg: Seit 2003 hat die
Stadt insgesamt 38 Metropolen aus den Ländern
der letzten EU-Erweiterung um sich versammelt,
wie Warschau, Lodz, Bratislava, Nicosia und
Split. Dieser Club arbeitet daran, europäische
Projekte der technischen Zusammenarbeit und
den Kompetenz-Transfer in unterschiedlichen
Bereichen (Städtebau, Transport, Umwelt,
Soziales, Informations-Technologien)
umzusetzen. Die Bürgermeister der 38 Städte
treffen sich mindestens ein Mal pro Jahr. Im
Oktober 2008 hat sich Straßburg bei einem
dieser Treffen für eine Neuausrichtung der Ziele
des Clubs ausgesprochen, hin zu einem guten
Führungsstil und der lokalen Demokratie.
Umgekehrt ist Straßburg Mitglied in zahlreichen
europäischen Netzwerken geworden, wie
„Eurocities“, einer Organisation, die sich
zum Ziel gesetzt hat, bestimmte größere
Problemstellungen der großen europäischen
Städte an die Institutionen der Europäischen
Gemeinschaft weiterzuleiten. In diesem
Rahmen hat Straßburg vor kurzem eine
Erklärung über den Klimawandel unterzeichnet.
Vor nicht langer Zeit ist die Stadt auch Mitglied
von „Cities for children“ geworden, einer
Organisation, die sich mit dem Thema der
Kindheit in der Stadt beschäftigt.
Alle diese Beispiele zeigen, wenn dieses nötig
sein sollte, dass die Ausstrahlung und Aktion
der Stadt Straßburg weit über die Grenzen der
Europäischen Gemeinschaft hinausgehen: die
Stadt, in der ein gesamteuropäischer Geist
herrscht, der seine Grundlagen im europäischen
Humanismus hat, möchte als verbindendes
Element für den ganzen Kontinent wirken.
Doch Straßburg ist auch seit langen Jahren für
die ganze Welt offen. So ging sie nach und nach
Städtepartnerschaften mit Boston (USA) und
Leicester (England) im Jahr 1960 ein, gefolgt
von Stuttgart (Deutschland) 1962, Dresden
(Deutschland) 1990 und schließlich Ramat Gan
(Israel) 1991.
Gleichzeitig verfolgt die Stadt eine Politik der
dezentralisierten technischen Zusammenarbeit,
in deren Rahmen der Austausch von
Erfahrungen und Know-How mit anderen
Städten der Welt gepflegt wird. Einige
Beispiele:
> Jacmel auf Haiti, wo ein Projekt zur
Stärkung der städtischen Kapazitäten läuft
(Verwaltung des Hygienewesens, der Märkte,
lokale Steuerpolitik)
> Douala in Kamerun, wo in einigen
Monaten ein Sozialzentrum in einem sozial
benachteiligten Viertel eröffnet wird
> Fès in Marokko, wo eine neue
Zusammenarbeit für die Wasseraufbereitung
und die Ausbildung von Notfallhelfern im Juni
2008 genehmigt wurde
> Novgorod in Russland, wo ein
Hilfsprogramm für den Schutz
des Kulturerbes und für die
Verwaltungsorganisation seit 1997 läuft
> Bamako in Mali, wo z. Zt. eine Vorstudie
für den Bau einer Tram aufgrund der
Erfahrung des Straßburger Modells
durchgeführt wird.
Schließlich wird ein Unterstützungsfonds
für die Straßburger Vereine, die sich in
internationalen Projekten der Solidarität
engagieren, jährlich mit 15.000 € von der Stadt
unterstützt.
Zu den erfolgreichen Projekten gehört auch
die Mitwirkung am Bau einer Schule in Peru
und die Durchführung von Sensibilisierungs-
Kampagnen gegen das Abholzen der Wälder im
Senegal.












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